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Der Völkermord von Srebrenica – Geschichte, Erinnerung und Verantwortung

Spomenik "Cvijet Srebrenice" u Beču

Der Völkermord von Srebrenica im Juli 1995 gilt als das schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In der damaligen, von den Vereinten Nationen zur Schutzzone erklärten Enklave Srebrenica wurden innerhalb weniger Tage 8.372 bosniakische Männer und Jungen ermordet. Gleichzeitig wurden rund 30.000 Frauen, Kinder und ältere Menschen gewaltsam vertrieben.

Diese Ereignisse stellen einen systematischen Akt von ethnischer Säuberung dar und haben tiefe menschliche, gesellschaftliche und historische Spuren hinterlassen. Die Folgen des Völkermords wirken bis heute nach – insbesondere für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer, aber auch für die gesamte Region und Europa als Ganzes.

Die Verbrechen von Srebrenica wurden durch internationale Gerichte umfassend untersucht und juristisch aufgearbeitet. Sowohl der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien als auch der Internationale Gerichtshof stellten fest, dass es sich bei den Ereignissen von Juli 1995 um Völkermord handelt. Trotz jahrzehntelanger Bemühungen werden noch immer die sterblichen Überreste zahlreicher Opfer gesucht und identifiziert.

Die Srebrenica-Resolution des österreichischen Parlaments

Am 6. Juli 2022 verabschiedete der Nationalrat der Republik Österreich einstimmig eine Resolution zum Gedenken an den Völkermord von Srebrenica. Mit dieser Resolution bekannte sich Österreich klar zur historischen Verantwortung, zur Anerkennung des Leids der Opfer und zur Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur.

Die Initiative zur Resolution ging vom Verband bosnisch-herzegowinischer Vereine in Österreich – Consilium Bosniacum aus, der über einen längeren Zeitraum für ihre Verabschiedung eintrat. Die Resolution wurde parteiübergreifend unterstützt und stellt ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen sowie gegen jede Form von Relativierung schwerster Menschenrechtsverbrechen dar.

Darüber hinaus fordert die Resolution die österreichischen Institutionen auf, die internationale Gedenkkultur weiterhin aktiv zu unterstützen und sich gemeinsam mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union für das würdige Erinnern an die Opfer von Srebrenica einzusetzen. In diesem Zusammenhang wird der 11. Juli als europäischer Gedenktag für die Opfer des Völkermords hervorgehoben.

Rezolucija austrijskog parlamenta o Srebrenici

Das Denkmal „Blume von Srebrenica“ in Wien

Aufbauend auf der verabschiedeten Resolution initiierte das Consilium Bosniacum die Errichtung des Denkmals „Blume von Srebrenica“ vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in Wien. Das Denkmal dient als dauerhafter Ort des Gedenkens, der Information und der Mahnung.

Spomenik-Otvorenje

Das Kunstwerk ist als begehbarer Pavillon konzipiert und setzt sich aus drei zentralen architektonischen Elementen zusammen. Im Mittelpunkt steht eine Kuppel in Form einer stilisierten Blume mit elf Blütenblättern – ein international anerkanntes Symbol für Frieden, Erinnerung und die Forderung nach Gerechtigkeit. Ergänzt wird sie durch elf abstrahierte weibliche Figuren, die sinnbildlich für die Hinterbliebenen der Opfer stehen, sowie durch ein Prisma mit historischen Informationen und einer universellen Friedensbotschaft.

In seiner Gestaltung verbindet das Denkmal eine moderne, reduzierte Formensprache mit Anklängen an die österreichische Pavillon- und Gartenarchitektur. Dadurch wird die Erinnerung an Srebrenica bewusst in einen europäischen und österreichischen Kontext eingebettet.

Erinnerungskultur und Bildung für die Zukunft

Die Auseinandersetzung mit dem Völkermord von Srebrenica ist ein zentraler Bestandteil einer verantwortungsvollen europäischen Erinnerungskultur. Bildung, historisches Wissen und öffentliches Gedenken tragen dazu bei, Mechanismen von Ausgrenzung, Hass und Gewalt frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Das Engagement des Consilium Bosniacum – von der politischen Initiativarbeit bis zur Errichtung eines Denkmals – versteht sich als Beitrag zu einer offenen, pluralistischen Gesellschaft, die sich ihrer Geschichte stellt und daraus Verantwortung für die Zukunft ableitet.

Erinnerung ist keine Rückschau, sondern eine Voraussetzung für Frieden, Gerechtigkeit und ein respektvolles Zusammenleben.
Nur wenn wir erinnern, kann sich Geschichte nicht wiederholen.